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10. Juli 2026

Hier entsteht das Molekül, das die halbe Welt ernährt. Yara Brunsbüttel feiert 50-jähriges Bestehen am Standort.

Was am 10. Juni 1976 unter dem Namen Veba Chemie gegründet wurde, ist unter dem Namen Yara zu einem bedeutenden Chemiewerk geworden – und auf dem besten Weg, ein Vorreiter einer klimaneutralen Industrie von morgen zu werden.

„Seit 50 Jahren stellen wir hier am Standort Brunsbüttel Produkte her, die für Deutschland und Europa von grundlegender Bedeutung sind. Heute ist der Startschuss für die nächsten 50“, sagte Geschäftsführer Sven Kohnke beim Jubiläum im Juni.

Dabei war es alles andere als selbstverständlich, dass an der Elbmündung eine der größten Chemiefabriken Deutschlands entstehen würde. Die Westküste Schleswig-Holsteins war seit jeher Agrarland, geprägt von Kohl, Korn und Kühen. Dann kamen die 1970er Jahre, und mit ihnen eine regelrechte Goldgräberstimmung: Neue Industrieansiedlungen veränderten die Region. Veba Chemie war 1976 eine der ersten und ist heute, als Yara, eine der prägendsten.

Seitdem hat der Standort viele Wandlungen durchlebt: Über die Stationen Chemische Werke Hüls, AMH Chemie Oil und – nach der Übernahme durch den norwegischen Konzern Norsk Hydro im August 1985 – Hydro Agri Brunsbüttel GmbH wuchs das Werk kontinuierlich. Mit der Ausgliederung der Düngemittelsparte erhielt das Werk 2004 seinen heutigen Namen: Yara.

Im Mittelpunkt des Handelns steht ein Molekül: Ammoniak, NH₃, von dem der Standort täglich bis zu 2.200 Tonnen produziert und damit als größte Einstranganlage in Europa gilt. Wer darin nur Industriechemie sieht, unterschätzt seine Bedeutung. In Brunsbüttel ist Ammoniak Grundstoff für ein breites Spektrum an Industriechemikalien: AdBlue, der Dieselzusatz, der die Stickoxidemissionen von LKW und PKW reduziert. Harnstoff für die Medizintechnik, unter anderem als Ausgangsstoff für Insulinpräparate. Auch für Sprengstoff, ohne den viele Zweige der Bauindustrie schlicht nicht funktionieren würden. Ammoniak ist das stille Fundament moderner Industrien. Und er ist Grundstoff für stickstoffhaltige Düngemittel – und damit mitverantwortlich für die Ernährung von rund der Hälfte der Weltbevölkerung. Ohne die Ammoniaksynthese, wie sie in Brunsbüttel betrieben wird, wäre die globale Lebensmittelversorgung nicht denkbar.

Dabei setzt das Werk auf ein technisch besonderes Verfahren: die partielle Oxidation (POX). Das gibt dem Werk mehr Flexibilität – und macht es einzigartig unter den Yara-Standorten weltweit.

„Brunsbüttel ist ein zentraler Pfeiler des Yara-Produktionssystems – es gewährleistet heute Zuverlässigkeit und ermöglicht zugleich die Technologien von morgen“, so Johan Labby, EVP Global Production bei Yara International.

Brunsbüttel gehört zu den wichtigsten Yara-Standorten weltweit. Seit Februar 2018 beherbergt das Werk die weltgrößte AdBlue-Produktionsanlage mit einer Kapazität von 1,1 Millionen Tonnen pro Jahr – genug, um 50 Prozent der europäischen Nachfrage zu bedienen.

Parallel dazu hat das Werk konsequent in Effizienz und Klimaschutz investiert. Wachstum und Dekarbonisierung müssen kein Widerspruch sein. „Wir haben die CO₂-Emissionen gegenüber den Werten von 2010 um rund 40 Prozent reduziert. Seit 2023 werden mittels Elektrifizierung eines Verdichters 90.000 Tonnen CO₂ jährlich weniger emittiert und viele weitere Projekte befinden sich in der Pipeline“, so Sven Kohnke.

Versorgungssicherheit ist kein abstraktes Konzept. Das zeigt der Blick auf das Jahr 2026 mit dem Konflikt im Nahen Osten sowie der Blockade der Straße von Hormus, die uns die Anfälligkeit globaler Lieferketten vor Augen führt. Hier bekommt der Standort Brunsbüttel eine strategische Bedeutung und wird Teil der kritischen Infrastruktur.

„Mit dem Importterminal für Ammoniak und der schon heute größtenWasserstoffproduktion Europas ist das Werk Brunsbüttel für uns ein wichtiger Partner bei der Entwicklung zum ersten klimaneutralen Industrieland. Mit der Produktion von Düngemitteln leistet Yara einen wichtigen Beitrag für die Nahrungsmittelproduktion und mit AdBlue für die Luftreinhaltung im Straßenverkehr – und das alles Made in Brunsbüttel“, so Joschka Knuth, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein.

Rückhalt gibt die norwegische Muttergesellschaft Yara International ASA in Oslo, eine der größten Düngemittelhersteller und weltweit größten Ammoniak-Händler mit eigener Flotte und weltweiten Bezugsquellen. So ist Yara bestens aufgestellt, eine zentrale Rolle in der deutschen und europäischen Energiewende zu spielen.